Red-Bull-Pilot Webber Sonnyboy mit Narben

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Red-Bull-Pilot Webber Sonnyboy mit Narben

Beitragvon salech » 29.08.2009 13:17

Von Hartmut Lehbrink

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Zum ersten Grand-Prix-Sieg von Mark Webber führte ein langer Weg. Rennen verlor er einige, nur den Glauben an sich selbst nicht. Schon einmal war der drahtige Australier sehr erfolgreich: 1998 im Sportwagen.

Valencia am Donnerstag vergangener Woche: Rückkehr zur Grand-Prix-Routine nach der schier endlosen Sommerpause von einem Monat. Mark Webber wird umlagert wie eine bedrängte Festung, Kameras überall, Gruppen- und Einzelgespräche, jedes Wort eine Offenbarung. Seit seinem Sieg am Nürburgring hat sich die Heimsuchung vervielfacht. Was der Australier in Red-Bull-Diensten von diesem Aspekt des Formel-1-Alltags hält? Die Antwort kommt spontan und unverblümt: "A pain in the ass." Das ist schon aus Gründen der Pietät unübersetzbar, bedeutet aber unmissverständlich, dass er ihn nicht sonderlich toll findet.

So ist der Mann - ohne Umschweife, zu hundert Prozent geerdet, cool, relaxed und frei von Arroganz. Man nimmt ihm nichts krumm, im Gegenteil. Den Erfolg in seinem 130. Großen Preis gönnten ihm alle. Allerdings sollte so etwas in der Neid-Genossenschaft F1 nicht überhandnehmen. Das Sommerloch hat er angenehm und nützlich gefüllt, entspannte Tage im südfranzösischen Vence mit seiner 13 Jahre älteren Lebensgefährtin Ann Neal und Freunden. Mit von der Partie: Physiotherapeut Roger ("Rog") Cleary. "Wir haben da mit ein paar Sachen experimentiert." Seit dem 22. November 2008 ist Allround-Sportler Webber Rekonvaleszent, nach wie vor: "Ein Fußballer müsste in meinem Zustand noch immer dem Spielfeld fernbleiben."

Mit 40 Sachen gegen den Rammschutz eines Geländewagens

Ironischerweise beim "Mark Webber Pure Tasmanian Challenge", einem von ihm selbst inszenierten Extrem-Event für mildtätige Zwecke, widerfuhr ihm potentiell Fatales, als er unweit Port Arthur mit seinem Mountainbike mit 40 Sachen gegen den Rammschutz eines Geländewagens knallte. Ein Entrinnen sei nicht drin gewesen. Er habe versucht, aus dem Gesicht des Fahrers herauszulesen, wohin der lenken wollte. Aber in der Windschutzscheibe des Unfallgegners habe er lediglich sich selber gesehen, da sie wie ein Spiegel wirkte. Der Mann habe sich übrigens nie bei ihm gemeldet, erzählt Webber.

Noch im Vorfeld des Grand Prix von Deutschland wurden aus seinem rechten Unterschenkel Titan-Elemente entfernt. Sie hatten Schien- und Wadenbein verklammert, zum Ergötzen von Red-Bull-Technikchef und Chassis-Einstein Adrian Newey: "Für den machte das Sinn, dass in seinen Autos und in seinem Fahrer derselbe Werkstoff verbaut war." Das eigentliche Problem war indessen eine gebrochene Schulter: "Die hat mir in der ersten Hälfte der Saison schwer zu schaffen gemacht."

Dass sich in solchen Augenblicken für einen Rennfahrer die Zeit zu einer Slow-Motion-Sequenz einbremst, damit hat "Webbo" einschlägige Erfahrungen. Gleich bei zwei Crashs im Rahmen des 24-Stunden-Rennens von Le Mans 1999 hob sein Mercedes-Benz CLR wegen einer aerodynamischen Ungereimtheit bei hohem Tempo ab und flatterte in beängstigender Weise himmelwärts: "Ich erlebte das alles ganz ruhig - wie einen Film." Ihm sei aber in jedem Augenblick klar gewesen, dass er nun mit einiger Sicherheit zahlen müsse, was er "The Big Price" nennt, das ultimative Entgelt für sein schnelles Metier.

"Wir waren wir alle drei arm wie die Kirchenmäuse"

Die Doppelrolle auf dem Sarthekurs setzte eine späte Pointe unter ein überaus erfolgreiches Gastspiel beim Stern von Stuttgart im Jahr zuvor im Rahmen der Fia-GT-Meisterschaft, mit Siegen in Silverstone, Hockenheim, Budapest, Suzuka und Donington, stets zusammen mit DTM-Fünffach-Champion Bernd Schneider. Am 27. August 1976 in Queanbeyan im sonnendurchglühten New South Wales geboren, verdankt Webber Teamfähigkeit und Härte dem Rugbysport, den er fünf Jahre lang als später Teenager praktizierte. Das sei, sagt er, ein brutales, aber gutes Training gewesen. Bis auf den heutigen Tag nimmt er lebhaften Anteil am Geschick der australischen Nationalmannschaft.

Sein Aufstieg ins Allereiligste der Motorsport-Klassengesellschaft vollzog sich auf den vorgegebenen Bahnen - mit ein paar Schlenkern. 1992 gewann er die Kart-Meisterschaft seines Bundesstaats sowie den nationalen ACT-Titel. Ermutigende Einsätze in der Formel Ford folgten, 1995 der Sprung nach Europa und ein dritter Platz beim Formel-Ford-Festival von Brands Hatch, das seit jeher die Spreu vom Weizen sondert, 1996 gar Rang eins beim gleichen prestigeträchtigen Event. Webber sieht sich nicht unbedingt in der Tradition seiner australischen Rennfahrer-Kollegen und Formel-1-Weltmeister Jack Brabham und Alan Jones. Aber eines ist sicher: "Als wir den Sprung über den Großen Teich riskierten, waren wir alle drei arm wie die Kirchenmäuse."

Zwei Platzhirsche ist einer zu viel

1997 wurde er Vierter im englischen Formel-3-Championat und Rookie of the Year. Nach einem Intermezzo in der Formel 3000, gekrönt durch Pole-Position, schnellste Runde und Sieg 2001 in Monaco, zählt er seit 2002 zum Stammpersonal im Grand-Prix-Sport, zunächst unterwegs für die Hinterbänkler-Brigade von Minardi, 2003 und 2004 für Jaguar, 2005 und 2006 bei Williams, ab 2007 bei Red Bull. Für Furore sorgte bereits sein Debüt beim Großen Preis seiner Heimat in Melbourne: Rang fünf in einem Fahrzeug der zweiten Garnitur. Seitdem gilt Mark Alan Webber als Maß aller Dinge für seine Teamkollegen. Erst Sebastian Vettel vermag ihm Paroli zu bieten. Was Webber bei dem jungen Deutschen ausmacht: "Er ist völlig ausgeglichen und im Reinen mit sich selbst, dazu blitzhelle, witzig und leger."

Das sind Tugenden, die erstaunlich an ihn selbst erinnern, nur bei jemandem, der zehn Jahre jünger ist und irgendwie doch ganz anders. "Wahrscheinlich", mutmaßt Red-Bull-Teamchef Christian Horner, "verfügen wir über die stärkste Fahrer-Paarung im Feld."

Allerdings: Zwei Platzhirsche ist einer zu viel - alte Jägerweisheit. Und die gilt auch für die Formel 1.

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